Quellenkritik
Bundesrat und Europarat 1949
Überblick und didaktisches Ziel
Diese Übung vermittelt übertragbare Kompetenzen der Quellenkritik (äussere und innere Kritik) anhand einer konkreten Quelle aus den Diplomatischen Dokumenten der Schweiz (Dodis). Im Zentrum steht die Frage, wie eine Quelle als historisches Evidenzobjekt behandelt wird: nicht als „Faktenspeicher“, sondern als situierter Artefakt mit Entstehungskontext und Überlieferungsgeschichte.
Fallbeispiel (Primärquelle): Dodis: Switzerland and the Council of Europe
Die hier verwendete Quelle liegt in einer editorisch aufbereiteten digitalen Edition vor. Für die Quellenkritik gehört deshalb nicht nur der Text, sondern auch die Editionsebene (Metadaten, Archivsignatur, Verlinkungen, Editionsrichtlinien) zum Untersuchungsgegenstand.(Fickers und Tatarinov 2022)
Voraussetzungen
- Grundverständnis historischer Forschungsmethoden
- Basiskenntnisse im Umgang mit generativer KI (insbesondere Prompting)
Falls Sie noch nicht mit Prompting vertraut sind, empfehlen wir die Übung Prompt Engineering zuerst zu durchlaufen.
Sie können die Übung mit LLMs von unterschiedlichen Herstellern durchführen. Für diese Übung ist es hilfreich, wenn das LLM Zugriff auf das Internet hat und sich Dateien hochladen lassen.
Lernziele
Nach Abschluss der Übung sind Sie in der Lage:
- externe und interne Quellenkritik systematisch anzuwenden,
- Authentizität, Provenienz und Überlieferung einer digital edierten Aktennotiz zu prüfen,
- Autor:innenschaft, Horizon/Standpunkt, Intention und Bias hermeneutisch zu rekonstruieren,
- zwischen wissentlicher und unwissentlicher Aussageebene (witting/unwitting testimony) zu unterscheiden,
- den Evidenzwert der Quelle in Relation zu einer Forschungsfrage präzise zu bestimmen,
- das “Vetorecht der Quelle” zu operationalisieren (was schliesst sie aus? was lässt sie offen?),
- KI-Systeme kritisch und methodisch kontrolliert zur Quellenkritik und Kontexterschliessung einzusetzen.
Struktur der Übung
Jeder Schritt enthält:
- eine Zielsetzung,
- konkrete Aufgaben (inkl. optionaler KI-Prompts),
- einen Arbeits- und Reflexionsauftrag.
- Orientierung: Quellengattung, Minimalparaphrase, erste Forschungsheuristik
- Externe Kritik: Provenienz, Authentizität, Überlieferung, Edition
- Interne Kritik: Sprecherposition, Intention, Argumentlogik, Bias
- Kontextualisierung & Gegenprobe: Triangulation mit weiteren Quellen
- Evidenzwert & „Veto-Macht“: was lässt sich stützen, was nicht?
- Dokumentation & Reflexion: Reproduzierbarkeit, KI-Protokoll
1. Orientierung: Was ist diese Quelle (und wofür kann sie stehen)?
Ziel
Eine erste kontrollierte Einordnung der Quelle als Objekt: Gattung, Situation, Akteurskonstellation, thematischer Fokus.
Aufgabe 1: Minimalparaphrase (ohne Interpretation)
Formulieren Sie in max. 4 Sätzen:
- Wer spricht/handelt?
- Was ist der Anlass?
- Was ist die zentrale Aussage/Entscheidung?
- Welche Konsequenz wird angedeutet?
Aufgabe 1: Minimalparaphrase (ohne Interpretation) mittels KI
Analysiere die angehängte Aktennotiz (Bern, 7.7.1949, Petitpierre/Hansen, Europarat) und beantworte folgende Fragen:
Wer spricht/handelt?
Was ist der Anlass?
Was ist die zentrale Aussage/Entscheidung?
Welche Konsequenz wird angedeutet?Hochladen der Quelle
Laden Sie das Dokument als PDF Datei hoch zusammen mit dem Prompt. Falls das nicht möglich ist, kopieren sie den Inhalt des Dokuments an den Anfang des Prompts und grenzen sie diesen visuell ab, beispielsweise durch “““. Stellen Sie darüber hinaus sicher, dass die KI Zugriff auf die Metadaten hat (entweder durch Online-Zugriff oder indem Sie die Metadaten zur Verfügung stellen). Beispiel:
"""
INHALT DOKUMENT
"""
"""
METADATEN DOKUMENT (inkl. URL)
"""
IHR PROMPTArbeitsauftrag (Reflexion)
Vergleichen Sie die Antwort der KI mit ihrer eigenen. Welche Unterschiede stellen Sie fest?
Gibt es systematische Verzerrungen (sowohl in Ihren als auch in den KI-generierten Antworten)?
Aufgabe 2: Erste Forschungsheuristik
Notieren Sie drei potenzielle Forschungsfragen, die prinzipiell mit dieser Quelle bearbeitbar wären (noch ohne Eingrenzung). Beispiele für Fragetypen:
- begriffsgeschichtlich (Neutralität als Argument)
- institutionsgeschichtlich (Aussenpolitische Entscheidungswege)
- wissensgeschichtlich (was gilt als „vereinbar“/„unvereinbar“?)
- politisch-kulturell (Erwartungen an Volksabstimmungen)
Aufgabe 2: Erste Forschungsheuristik mittels KI
Gib mir drei mögliche historische Forschungsfragen, die sich aus der angehängten Aktennotiz (Bern, 7.7.1949, Petitpierre/Hansen, Europarat) ableiten lassen.
Formuliere jede Frage so, dass sie (a) zeitlich eingrenzbar, (b) quellenbasiert prüfbar und (c) analytisch ist.
Nenne zu jeder Frage, welche zusätzlichen Quellengattungen ich zur Gegenprobe brauche.Arbeitsauftrag (Reflexion)
- Welche Ihrer drei Fragen hängt am stärksten an dieser spezifischen Quelle (hohe Quellenbindung)?
- Welche Frage ist am wenigsten quellenabhängig (würde auch mit anderen Quellen „ähnlich“ formuliert)?
- Welche Begriffe sind bereits interpretativ aufgeladen (z. B. „Neutralität“, „Europa“, „Vereinbarkeit“)?
2. Externe Quellenkritik: Authentizität, Provenienz, Überlieferung, Edition
Ziel
Klären, was dieses Dokument als Objekt ist, wie es überliefert wurde, und welche Editionsschicht zwischen Original und Ihnen liegt.
Aufgabe 1: Provenienz-Check (Metadaten & Archivbezug)
Erheben Sie (von der Dodis-Seite) und protokollieren Sie:
- Dokumenttyp/Gattung (Notiz, Protokoll, Bericht, Brief …)
- Datum/Uhrzeit, Ort
- Autor/Unterzeichner (hier: Max Petitpierre)
- Adressat:in(nen) bzw. Funktionsadressat (explizit/implizit)
- Archivsignatur (z. B. „E 2800(-)…“)
- Institutioneller Kontext (Departement, Kommissionen, beteiligte Organisationen)
- Tags/Personen/Organisationen/Geografie (als Editionsmetadaten)
Ergebnis: eine kleine Tabelle + 5–8 Zeilen „Editionsnotizen“ (Was liefert die Edition? Was bleibt offen?).
Aufgabe 2: Authentizität als Frageform
Formulieren Sie drei prüfbare Fragen zur Authentizität, z. B.:
- Handelt es sich um ein Original oder eine Abschrift/Redaktion?
- Gibt es Hinweise auf nachträgliche Bearbeitung (Kürzungen, Übersetzungen, redaktionelle Normalisierung)?
- Welche Teile sind Dokumenttext, welche editorische Ergänzung (Fussnoten/Verweise)?
Aufgabe 3: Überlieferung (Transmission) als epistemisches Problem
Rekonstruieren Sie eine plausible Überlieferungskette:
Entstehung → Ablage im Verwaltungsprozess → Archivierung → Erschliessung → Digitalisierung/Edition → Anzeige im Web
Notieren Sie an jeder Station:
- mögliche Verluste/Filter (Selektionslogik)
- mögliche Transformationspunkte (Redaktion, Klassifikation, Metadatenvergabe)
- mögliche Kontextverluste (fehlende Beilagen, fehlende Vorgeschichte)
Arbeitsauftrag (Reflexion)
- Welche Informationen stammen aus dem Dokumenttext (Primärtext), welche aus der Edition (Metadaten/Verlinkung)?
- Welche Teile Ihrer Einordnung wären ohne Dodis-Edition nicht möglich?
- Wo ist die Editionsschicht selbst eine Quelle (z. B. Kategorisierung, Tags, Auswahl)?
Aufgabe: Externe Kritik mittels KI
Analysiere die digital edierte Aktennotiz (Dodis 5020, Bern 7.7.1949) ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt der externen Quellenkritik.
1) Identifiziere auf Basis der Metadaten:
- Dokumenttyp/Gattung
- Datum und Ort
- Autor/Unterzeichner
- institutionellen Kontext
- Archivsignatur und Überlieferungsform
2) Unterscheide strikt zwischen:
a) Informationen aus dem Dokumenttext
b) Informationen aus der Editions- und Metadatenschicht (Dodis)
3) Formuliere drei prüfbare Fragen zur Authentizität und Überlieferung.
Wichtig:
- Triff keine historischen Bewertungen.
- Markiere jede Aussage explizit als:
[Dokumenttext] / [Edition/Metadaten] / [Schlussfolgerung].Reflexionsauftrag
- Wo ergänzt die KI systematisch, wo halluziniert sie Überlieferungsannahmen?
- Welche Metadaten übernimmt sie korrekt, welche bleiben vage oder falsch?
- Inwiefern zwingt die explizite Kennzeichnung der Ebenen zu methodischer Klarheit?
3. Interne Quellenkritik: Aussageabsicht, Standpunkt, Argumentlogik, Bias
Ziel
Analysieren, wie der Text Bedeutung produziert: durch Auswahl, Formulierungen, implizite Prämissen, institutionelle Perspektive.
Aufgabe 1: Sprechakt- und Funktionsanalyse
Bestimmen Sie die Funktion der Notiz im Verwaltungskontext (plausibilisiert):
- Dokumentiert sie ein Ereignis „für die Akten“?
- Rechtfertigt sie eine Position gegenüber Dritten?
- Steuert sie interne Meinungsbildung?
- Markiert sie eine rote Linie (Neutralität als Stoppsignal)?
Ergebnis: 1 Absatz (6–10 Sätze), der Funktion und Adressierung argumentiert (mit Textbelegen).
Aufgabe 2: Argumentmapping (Neutralität als Schlüsseloperator)
Extrahieren Sie alle Passagen, die Neutralität, Vereinbarkeit oder Entscheidungsprozesse betreffen, und zerlegen Sie sie in:
- Behauptung (claim)
- Begründung (warrant)
- Voraussetzung (assumption)
- Implikation (so what)
Formatvorschlag (Markdown):
- Claim:
- Begründung:
- Voraussetzung:
- Implikation:
- Textbeleg (Zitat/Paraphrase):Aufgabe 3: Wissentliche vs. unwissentliche Aussageebene
Markieren Sie zwei Beispiele für:
- wissentliche Aussagen (gezielt adressierte Mitteilungen, Positionsdarstellung)
- unwissentliche Aussagen (Selbstverständlichkeiten, implizite Normen, institutionelle Routinen)
Leitfragen:
- Welche Selbstbilder der Schweiz werden vorausgesetzt (z. B. „absolutere Neutralität“)?
- Welche politischen Mechanismen gelten als erwartbar (Parlament, Volk, Kantone)?
- Welche Vergleichsfolie wird herangezogen (Schweden) und wofür?
Aufgabe 4: Bias als Struktur, nicht als „Fehler“
Analysieren Sie Perspektivenbegrenzungen:
- Welche Interessen/Constraints hat der Autor als Departementschef?
- Welche Aspekte fehlen systematisch (z. B. juristische Dimensionen, internationale Reaktionen, innenpolitische Lager)?
- Welche Alternativdeutungen wären aus anderen Positionen plausibel (z. B. Parteipolitik, Wirtschaft, Presse)?
Arbeitsauftrag (Reflexion)
- Welche Ihrer Interpretationen sind textnah (belegbar), welche sind kontextabhängige Hypothesen?
- Welche Begriffe fungieren als Scharnier zwischen Text und Kontext (Neutralität, Vereinbarkeit, Volksabstimmung)?
Aufgabe: Interne Kritik mittels KI
Führe eine interne Quellenkritik der angehängten Aktennotiz (Bern, 7.7.1949, Petitpierre/Hansen) durch.
Analysiere getrennt:
1) Sprecherposition und institutionellen Standpunkt
2) Funktion und Intention der Notiz im Verwaltungskontext
3) Argumentationslogik rund um Neutralität und Entscheidungsprozesse
4) wissentliche vs. unwissentliche Aussageebenen
Regeln:
- Jede analytische Aussage muss mit einem konkreten Textbeleg
(kurzes Zitat oder präzise Paraphrase) versehen sein.
- Wenn kein Beleg vorliegt: explizit als „Hypothese“ markieren.
- Keine Kontextinformationen verwenden, die nicht im Text angelegt sind.Reflexionsauftrag
- Welche Interpretationen der KI sind textnah, welche spekulativ?
- Wo nivelliert die KI institutionelle Perspektiven zu allgemeinen Aussagen?
- Welche hermeneutischen Schritte bleiben auch hier nicht automatisierbar?
4. Kontextualisierung und Gegenprobe: Triangulation statt „Kontext als Dekor“
Ziel
Die Aussagekraft der Notiz durch vergleichende Einbettung prüfen: Was ist spezifisch? Was ist routiniert? Was ist strategisch?
Aufgabe 1: Intertextuelle Spurensuche (im Dokument angelegt)
Die Notiz verweist indirekt auf weitere Kontexte (z. B. Kommissionen, private föderalistische Netzwerke, Vergleich mit Schweden).
Erstellen Sie eine Recherche-Matrix (mind. 6 Zeilen):
| Spur im Text | Was genau suchen? | Erwartete Quellengattung | Wo suchen? | Zweck der Gegenprobe |
|---|
Beispiele für „Wo suchen?“ (als Kategorien, nicht als Vollständigkeit):
- weitere Dodis-Dokumente (Querverweise, Dossiers)
- Amtsdruckschriften (Botschaften, Berichte)
- Parlamentsprotokolle / Kommissionsprotokolle
- Zeitungen (Rezeption, Kontroverse)
- Akten zu privaten Komitees/Vereinen
Aufgabe 2: Kontrafaktische Gegenfrage (Kontrollinstrument)
Formulieren Sie zwei Gegenfragen, die die Notiz herausfordern:
- Was müsste ich finden, damit die These „Neutralität verhinderte den Beitritt“ zu grob wird?
- Was müsste ich finden, damit die Aussage zur Volksabstimmung als strategische Rhetorik statt als Prognose erscheint?
Arbeitsauftrag (Reflexion)
- Welche Art Kontext ist notwendig (um Behauptungen zu prüfen), und welcher ist nur plausibilisierend?
- Wo droht „Kontext“ zu einer nachträglichen Glättung zu werden?
Aufgabe: Recherche- und Gegenprobe-Planung mittels KI
Leite aus der Aktennotiz (Bern, 7.7.1949, Petitpierre/Hansen) einen systematischen Rechercheplan ab.
1) Nenne mindestens:
- 5 ergänzende Primärquellen (unterschiedliche Gattungen)
- 3 Typen von Sekundärliteratur
2) Ordne jede Quelle einer konkreten Prüfabsicht zu
(z. B. Bestätigung, Kontextualisierung, Widerlegung).
3) Formuliere zu jeder Quelle eine Leitfrage.
Vorgaben:
- Keine Aussagen über den tatsächlichen Inhalt dieser Quellen.
- Keine narrativen Synthesen.
- Fokus ausschliesslich auf Prüfpfade und Gegenproben.Reflexionsauftrag
- Welche Kontexte priorisiert die KI systematisch (Politik, Institutionen)?
- Welche Kontexte fehlen auffällig (z. B. Medien, Recht, Ökonomie)?
- Wo tendiert die KI dazu, „Kontext“ als Erklärung statt als Prüfmittel zu verwenden?
5. Evidenzwert und „Veto-Macht“: Was belegt die Quelle – und was nicht?
Ziel
Den Evidenzwert strikt relational bestimmen: Quelle × Forschungsfrage.
Aufgabe 1: Evidenz-Profil (Claim-Scope)
Erstellen Sie eine zweigeteilte Liste:
A. Gut gestützt (hohe Sicherheit) Aussagen, die die Notiz direkt trägt (mit Textbeleg).
B. Nicht gestützt / offen (Veto) Aussagen, die die Notiz nahelegt, aber nicht belegt – oder sogar ausschliesst.
Leitfragen:
- Was kann ich über die Position Petitpierres sagen – und was nicht?
- Was kann ich über die dänische Position sagen – und was bleibt unklar (z. B. Motive, interne Debatten)?
- Was sagt die Quelle über „die Schweiz“ – und wo ist das eine unzulässige Generalisierung?
Aufgabe 2: Mikro-Hypothesen mit Falsifikationspfad
Formulieren Sie zwei Mikro-Hypothesen (je 1 Satz), z. B.:
- „X fungiert 1949 als institutioneller Gatekeeper-Begriff, der Y politisch blockiert.“
- „Die Referendums-/Volksabstimmungsreferenz dient als Legitimationsargument gegenüber ausländischen Gesprächspartnern.“
Für jede Hypothese:
- Welche zusätzliche Quelle könnte sie stützen?
- Welche Quelle/Beobachtung würde sie widerlegen?
Aufgabe: Evidenzprofil mittels KI
Erstelle auf Basis der Aktennotiz zwei getrennte Listen:
A) Aussagen, die der Text direkt und eindeutig stützt.
B) Aussagen, die der Text nicht stützt, nur nahelegt oder implizit ausschliesst.
Für jede Aussage:
- kurzer Textbeleg oder Paraphrase
- Einstufung: sicher / wahrscheinlich / spekulativ
- Begründung der Einstufung
Zusatz:
Formuliere für zwei Aussagen aus Liste B je einen
konkreten Falsifikationspfad (welche Quelle müsste was zeigen?).Reflexionsauftrag
- Wo ist die KI überraschend restriktiv, wo zu grosszügig?
- Welche Aussagen erscheinen „plausibel“, werden aber korrekt vetoisiert?
- Wie verändert die explizite A/B-Trennung den eigenen Interpretationsdrang?
Arbeitsauftrag (Reflexion)
- Welche Aussage „würde man gern machen“, aber die Quelle erlaubt sie nicht?
- Wo ist die Grenze zwischen Interpretation und Behauptung?
6. Dokumentation & Reflexion: Reproduzierbarkeit, KI-Protokoll
Ziel
Quellenkritik als dokumentierte Methode: nachvollziehbar, überprüfbar, wiederverwendbar.
Aufgabe 1: Analyseprotokoll (Minimalstandard)
Legen Sie ein kurzes Protokoll an:
- Vollzitat/Permalink der Quelle
- Datum des Zugriffs
- Version/Anzeigeform (HTML, PDF, Export)
- Ihre Forschungsfrage (Arbeitsversion)
- Externe Kritik (Stichpunkte)
- Interne Kritik (Stichpunkte)
- Evidenzprofil (A/B-Liste)
- Offene Fragen & nächste Rechercheschritte
Aufgabe 2: KI-Reflexion (wenn KI genutzt wurde)
Notieren Sie:
- Welche Prompts haben Sie verwendet (wörtlich)?
- Welche Antworten waren hilfreich (und warum)?
- Wo traten Verkürzungen/Übergeneralisierungen auf?
- Welche Schritte blieben unvermeidlich menschliche Entscheidungen (z. B. Auswahl der Forschungsfrage, Gewichtung von Evidenz, Kontextentscheidungen)?
Eine gute Quellenkritik ist nicht die, die „alles erklärt“, sondern die, die Grenzen und Prüfpfade sichtbar macht: Was ist belegt? Was ist hypothetisch? Was müsste als Nächstes geprüft werden?
Lernergebnis
Am Ende verfügen Sie über:
- eine begründete externe und interne Quellenkritik zu Dodis 5020,
- ein Evidenzprofil (inkl. Veto-Punkten) in Relation zu einer Forschungsfrage,
- einen Rechercheplan zur Kontext- und Gegenprobe,
- ein reproduzierbares Analyseprotokoll (inkl. strukturierter Claim-Extraktion),
- eine reflektierte Einschätzung, wo KI Exploration unterstützt und wo sie methodisch zu begrenzen ist.
Weiterführende Ressourcen
- Ranke.2: Wikipedia als historische Quelle – Provenienz, Revisionsgeschichten und digitale Quellenkritik.
- Knowing Machines: Models All the Way Down – Kritik an Trainingsdaten und ihre Parallelen zur Quellenkritik.
Bibliographie
Zitat
@inreference{mähr2025,
author = {Mähr, Moritz},
title = {Quellenkritik},
booktitle = {Critical AI Literacy für Historiker:innen},
date = {2025-12-29},
url = {https://maehr.github.io/critical-ai-literacy-for-historians/de/exercises/quellenkritik-bundesrat-europarat-1949.html},
langid = {de}
}