Glossar
Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die in den Übungen ohne weitere Erklärung vorkommen. Jeder Eintrag ist eine Arbeitsdefinition für diesen Kurs und kein Lexikonartikel. Die Übungen sprechen von einem KI-System, wenn ein Programm auf einem grossen Sprachmodell beruht. Wo ein Begriff aus dem Englischen stammt, steht der deutsche Arbeitsbegriff zuerst und der englische Begriff in Klammern.
KI-Systeme und Prompts
Grosses Sprachmodell (Large Language Model, LLM)
Ein grosses Sprachmodell ist ein Computerprogramm, das aus sehr vielen Texten gelernt hat und zu einer Eingabe das wahrscheinlichste nächste Wort ergänzt.
Prompt (Arbeitsanweisung)
Ein Prompt ist Ihre schriftliche Arbeitsanweisung an ein KI-System, mit Material, Ziel, Grenzen und gewünschtem Antwortformat.
Vorgaben (Constraints)
Vorgaben sind die Grenzen, die Sie im Prompt setzen, zum Beispiel die Textlänge, die erlaubten Quellen oder die verbotenen Aussagen.
Prompt ohne Beispiele (Zero-shot)
Beim Zero-shot erhält das KI-System nur den Auftrag und das Material, aber kein Beispiel für die gewünschte Antwort.
Prompt mit wenigen Beispielen (Few-shot)
Beim Few-shot erhält das KI-System zwei bis fünf Musterantworten, damit Format und Qualität der Antwort stabil bleiben.
Strukturierte Denkspur (Chain-of-Thought)
Eine strukturierte Denkspur ist die Aufforderung an das KI-System, die Zwischenschritte offenzulegen (die Zwischenschritte sind Prüfhilfen, keine Belege).
Eingebauter Denkmodus (Reasoning Mode)
Im Denkmodus erzeugt das KI-System von sich aus Zwischenschritte, bevor es antwortet. Sie haben diesen Ablauf nicht vorgegeben, anders als bei der strukturierten Denkspur (Wei u. a. 2022). Die sichtbaren Schritte belegen den tatsächlichen Rechenweg nicht (Turpin u. a. 2023).
Agentischer Ablauf (Agentic Workflow)
In einem agentischen Ablauf plant das KI-System mehrere Schritte, ruft dafür Werkzeuge auf und arbeitet ohne Rückfrage weiter. Ein Fehler aus einem frühen Schritt wandert in alle späteren Schritte (Kapoor u. a. 2024).
Vertiefte Recherche (Deep Research)
Bei einer vertieften Recherche sucht das KI-System selbständig im Web, liest Seiten und liefert einen Bericht mit Belegstellen. Der Bericht ist eine Trefferliste mit Hypothesen und keine geprüfte Literaturübersicht. Literaturnachweise aus KI-Systemen enthalten erfundene und fehlerhafte Titel in erheblichem Umfang (Walters und Wilder 2023).
Abruf aus eigenen Dokumenten (Retrieval-Augmented Generation, RAG)
Beim Abruf aus eigenen Dokumenten hinterlegen Sie eine Sammlung von Dateien. Ein Suchschritt wählt daraus Abschnitte aus und legt sie dem KI-System vor (Lewis u. a. 2020). Der Abruf erweitert damit den Kontext. Er stellt aber nicht sicher, dass die Antwort nur aus Ihrer Sammlung stammt. Nutzen Sie den Abruf, um Fundstellen zu finden, und prüfen Sie jede Aussage am Original.
Multimodales Lesen (Multimodal)
Multimodal heisst, dass ein KI-System nicht nur Text verarbeitet, sondern auch Bilder, Tonaufnahmen oder Videos. Ein Digitalisat einer Akte ist für das System ein Bild. Allgemeine Bildmodelle lesen historische Handschrift bisher deutlich schlechter als spezialisierte Modelle (Díez García u. a. 2025).
Offenes Modell (Open-Weight Model)
Bei einem offenen Modell sind die Gewichte frei herunterladbar. Offen beschreibt die Lizenz der Gewichte und nicht den Ort der Ausführung. Sie können ein offenes Modell lokal ausführen, aber auch bei einem Anbieter im Netz. Nur ein offenes Modell erlaubt Ihnen, eine feste Version dauerhaft zu behalten (Spirling 2023).
Lokales Modell
Ein lokales Modell läuft auf Ihrem eigenen Rechner. Nur dann verlässt Ihr Material diesen Rechner nicht. Lokal beschreibt den Ort der Ausführung und nicht die Lizenz. Der Energiebedarf hängt von der Grösse des Modells ab und nicht vom Ort: ein grosses lokales Modell braucht viel Energie, ein kleines Modell für eine enge Aufgabe deutlich weniger (Luccioni u. a. 2024).
Halluzination
Eine Halluzination ist eine Antwort des KI-Systems, die plausibel klingt, aber falsch oder nicht belegt ist.
Verzerrung (Bias)
Eine Verzerrung ist eine einseitige Auswahl oder Bewertung in Quellen, Daten, Modellen, Suchsystemen oder Interpretationen.
Sitzung (Session)
Eine Sitzung ist ein zusammenhängendes Gespräch mit einem KI-System, in dem das System den bisherigen Verlauf mitliest.
Persona
Eine Persona ist ein erfundenes Kurzprofil einer Zielgruppe mit Vorwissen, Motiven und möglichen Missverständnissen.
Nachweise und Prüfung
KI-Protokoll
Das KI-Protokoll dokumentiert Ihre KI-Nutzung: Material, Prompt, Antwort, Prüfschritte und Entscheidung. Die Definition, die Vorlage und ein ausgefülltes Beispiel stehen in der Übung Prompt Engineering.
Rechercheprotokoll
Das Rechercheprotokoll dokumentiert Ihre Suche: Datum, System, Suchanfrage, Filter, Trefferzahl und Auswahlregeln. Es hält fest, wie Sie gesucht haben, nicht wie Sie KI genutzt haben.
Analyseprotokoll
Das Analyseprotokoll dokumentiert eine einzelne Quelle: Vollzitat, Zugriffsdatum, Anzeigeform, äussere und innere Kritik sowie offene Fragen. Es beschreibt die Quelle, nicht Ihre KI-Nutzung.
Quellen-Veto
Ein Quellen-Veto heisst: Sie verwerfen eine Aussage des KI-Systems, wenn das bereitgestellte oder nachprüfbare Material sie nicht deckt.
Behauptung (Claim) und Claim-ID
Eine Behauptung ist eine einzelne überprüfbare Aussage in Ihrem Text, und die Claim-ID ist ihre kurze Nummer wie «C3».
Triangulation
Triangulation heisst, dass Sie eine Aussage mit mindestens zwei unabhängigen Quellen prüfen.
Heuristik
Eine Heuristik ist eine Faustregel für die Suche, die schnell zu einem brauchbaren, aber nicht gesicherten Ergebnis führt.
Recherche
Schneeballverfahren (Snowballing)
Beim Schneeballverfahren folgen Sie den Literaturangaben eines Textes rückwärts und suchen vorwärts nach Texten, die diesen Text zitieren.
Boolesche Operatoren (Boolean)
Boolesche Operatoren sind die Suchwörter AND, OR und NOT, die Suchbegriffe in einer Datenbank verbinden oder ausschliessen.
Trunkierung
Trunkierung heisst, dass Sie ein Wort abschneiden und mit einem Platzhalter alle Wortformen suchen (Sozial* findet Sozialversicherung und Sozialpolitik).
Sichtung (Screening)
Bei der Sichtung prüfen Sie die Treffer rasch auf Relevanz und sortieren sie in «behalten» oder «verwerfen».
Reject-Log
Ein Reject-Log hält fest, welche Treffer Sie verworfen haben und aus welchem Grund.
Findmittel
Findmittel sind die Verzeichnisse eines Archivs, die zeigen, welche Bestände vorhanden sind und wie sie geordnet sind.
Schreiben und Vermittlung
Arbeitsergebnis (Deliverable)
Ein Arbeitsergebnis ist das greifbare Produkt eines Arbeitsschritts, das Sie abgeben oder ablegen (eine Liste, eine Tabelle, ein Text).
Vergleichsgrundlage (Baseline)
Eine Vergleichsgrundlage ist ein erstes, einfaches Ergebnis, an dem Sie alle späteren Fassungen messen.
Message Map
Eine Message Map hält die Kernbotschaft eines Beitrags fest, dazu drei bis vier Stützpunkte und die Bedeutung für die Zielgruppe.
Einstieg (Hook)
Der Einstieg ist der erste Abschnitt eines Beitrags, der das Interesse der Zielgruppe weckt.
Technik, Daten und Nachweise
Minimal Computing
Minimal Computing bezeichnet Verfahren, die mit wenig Rechenleistung, wenig Software und wenig Energie auskommen. Ziel ist, dass ein Projekt langfristig lauffähig, überprüfbar und ohne teure Infrastruktur nachnutzbar bleibt.
Literaturverwaltungsprogramm (Zotero)
Ein Literaturverwaltungsprogramm wie Zotero speichert Ihre Titelangaben und erzeugt daraus Fussnoten und Literaturverzeichnisse.
BibTeX
BibTeX ist ein Dateiformat für Titelangaben, das Literaturverwaltungsprogramme und Satzprogramme lesen können.
DOI
Ein DOI (Digital Object Identifier) ist eine dauerhafte Nummer für eine Publikation, die immer zur gleichen Fundstelle führt.
Permalink
Ein Permalink ist eine Internetadresse, die dauerhaft auf dasselbe Dokument zeigt.
Texterkennung (OCR)
Die Texterkennung wandelt das Bild einer Seite in durchsuchbaren Text um und macht dabei Fehler.
Handschriftenerkennung (Handwritten Text Recognition, HTR)
Die Handschriftenerkennung wandelt eine handschriftliche Seite in Text um. Für deutsche Kurrentschrift gibt es allgemeine Modelle mit brauchbaren Fehlerraten (Hodel u. a. 2021). Die Fehlerrate hängt stark von Schrift, Layout, Sprache und Zustand der Vorlage ab (Romein u. a. 2025). Solche Fehler verändern jede spätere Auswertung (Strien u. a. 2020). Das Ergebnis bleibt deshalb eine Lesehypothese.
Markdown
Markdown ist eine einfache Schreibweise, die Überschriften, Listen und Hervorhebungen mit wenigen Zeichen markiert.
FAIR-Prinzipien
Die FAIR-Prinzipien fordern, dass Forschungsdaten auffindbar, zugänglich, kombinierbar und nachnutzbar sind. Der Wortlaut steht bei GO FAIR und in Wilkinson u. a. (2016).
CARE-Prinzipien
Die CARE-Prinzipien fordern, dass Daten den betroffenen Gemeinschaften nützen und dass diese Gemeinschaften über ihre Daten mitbestimmen. Der Wortlaut steht bei der Global Indigenous Data Alliance und in Carroll u. a. (2020).
Recht und Datenschutz
Die fünf folgenden Einträge geben eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Verbindlich sind der Gesetzestext und die Vorgaben Ihrer Institution.
Personenbezogene Daten
Personenbezogene Daten sind Angaben über eine bestimmte oder bestimmbare lebende Person. Dazu gehören auch Angaben aus Interviews, aus Nachlässen und aus Beständen mit Schutzfrist.
Auftragsverarbeiter
Ein Auftragsverarbeiter verarbeitet personenbezogene Daten nur im Auftrag des Verantwortlichen, also nach Artikel 4 Nummer 8 DSGVO (Verordnung (EU) 2016/679 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten (Datenschutz-Grundverordnung) 2016). Artikel 4 Nummer 10 DSGVO zählt ihn ausdrücklich nicht zu den Dritten. Diese Rolle setzt einen Vertrag nach Artikel 28 DSGVO voraus. Ein Upload an einen Auftragsverarbeiter ist deshalb keine Weitergabe an Dritte.
Datenschutzrecht (DSGVO und revDSG)
In der EU regelt die Datenschutz-Grundverordnung die Verarbeitung personenbezogener Daten, in der Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz (Verordnung (EU) 2016/679 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten (Datenschutz-Grundverordnung) 2016, Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG) 2020). Artikel 6 DSGVO verlangt für jede Verarbeitung eine Rechtsgrundlage. Für die Forschung gelten Auflagen nach Artikel 89 Absatz 1 DSGVO, aber keine Freistellung. Einzelne Pflichten können entfallen, zum Beispiel die Information nach Artikel 14 Absatz 5 Buchstabe b DSGVO. Ein Leitfaden des Europäischen Datenschutzausschusses stand 2026 in der öffentlichen Konsultation und ist noch kein geltendes Recht (European Data Protection Board 2026).
Deepfake
Ein Deepfake ist nach Artikel 3 Nummer 60 der KI-Verordnung ein erzeugter oder veränderter Bild-, Ton- oder Videoinhalt (Verordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Verordnung über künstliche Intelligenz) 2024). Er ähnelt wirklichen Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen und würde fälschlich als echt erscheinen. Ein erzeugtes Bild ohne diesen Wirklichkeitsbezug ist kein Deepfake.
KI-Verordnung (EU AI Act)
Die KI-Verordnung der EU regelt das Inverkehrbringen und den Einsatz von KI-Systemen (Verordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz (Verordnung über künstliche Intelligenz) 2024). Für Sie zählt vor allem Artikel 50, der seit dem 2. August 2026 gilt. Als Betreiber legen Sie nach Artikel 50 Absatz 4 zweierlei offen: einen Deepfake sowie erzeugten Text, den Sie zur Information der Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse veröffentlichen. Beim Text entfällt die Pflicht, wenn eine Person ihn geprüft hat und die redaktionelle Verantwortung trägt. Artikel 50 Absatz 2 verpflichtet dagegen den Anbieter, erzeugte Inhalte maschinenlesbar zu kennzeichnen.